neue form

die vektorfahne © p. hauf 2007-2010

"Dissens ist nicht die Konfrontation der Interessen oder Meinungen. Er ist die Demonstration eines Abstands des Sinnlichen zu sich selbst." (J. Rancière)

Die alte Fahne Schwarz-Rot-Gold von "1848" pfercht — noch dazu regelwidrig — die mythischen "deutschen" Farben der auctoritas (die "Ausnahme" Rot= das anomisch-metarechtliche Element ...) und der potestas (die geteiltfarbige, obrigkeitsstaatliche "Regel" Schwarz/Gold= das normativ-rechtliche Element der "doppelten Struktur der Rechtsordnung des Okzidents") zum Dispositiv des Ausnahmezustands — dem arcanum imperii, dem Paradigma des gewaltsamen Regierens — zusammen.

"(...) Wenn der Ausnahmezustand, in dem [diese beiden die doppelte Struktur der Rechtsordnung des Okzidents konstituierenden Elemente] sich verbinden und indeterminieren, die Regel wird, dann transformiert sich das politisch-rechtliche System in eine tödliche Maschine." (Agamben 7, S. 101f)

Fahne und "Christen" ohne Würde

Die deutschen Farben, bei denen es sich entgegen landläufiger Meinung ursprünglich keineswegs um "Schwarz-Rot-Gold" handelt — diese Formel von 1848 ist nur im sinnlichen Erkenntnisbereich zutreffend; was hingegen das Verstandesobjekt als solches anbelangt, ist sie schlicht falsch, irreführend und leer (da es sich, wie schon erwähnt, dabei um das archaische, anomisch-metarechtliche Rot des römisch-imperialen Blutbanners einerseits, und die doppelfarbige, schwarz-gelbe, normativ-rechtliche 'Einheit' der Rechtsordnung andererseits handelt, und nicht um drei Einzelkomponenten); gerade deshalb aber bleibt sie äusserst wirkmächtig, da sie auf sprachlicher Ebene die [noematische] Zeichen-Wirklichkeit, die eigentliche Botschaft der damals gegen die Regeln der Heraldik ineinander geschobenen, sich dabei doktrinär gegenseitig zur Topologie des Ausnahmezustands und zu dessen Dispositiv indeterminierenden Symbolfarben der doppelten, "aus zwei heterogenen und doch koordinierten Elementen (gebildeten)" Struktur des Rechtssystems des Okzidents (Vgl. Agamben 7, S. 101) vertuscht und verschleiert:

Diese scheinbar "normale", aber weder dem Sinn, Text oder Zweck des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland entsprechende Vexillologie ist heute das wichtigste Machtmittel des "neo-konservativen und neo-liberalen" Lagers (wenn man die Maske der Mächtigen einmal so bezeichnen möchte), da nur dieses sie korrekt interpretiert ... und dann doch bloß — "im guten Glauben" (der der entsprechenden, subjektiven Notstandstheorie gemäß und praktischerweise, auch gleich die Gewährleistung einer Straflosigkeit verspricht, was dann letztlich allein unter gleichfarbigen Juristen auszufünfern wäre) — heldenhaft dessen sozusagen unwidersprochen vor alle Nasen gehängten, dogmatischen, die Wiedergeburt des Deutschen Reichs annoncierenden Auftrag erfüllt: Eben als das leitmotivisch an oberster Stelle der nationalen Emblematik rangierende Dispositiv des "'Ausnahmezustands', in dem wir leben (und der) die Regel ist" (W. Benjamin).

Es handelt sich bei dieser 1848 "im Geist der Paulskirche" inaugurierten Vexillologie tatsächlich um nichts anderes als um die perfekte Darstellung des Dispositivs dessen, was Walter Benjamin in seiner Geschichtsphilosophischen These Nr. 8 bereits in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts als den "'Ausnahmezustand', in dem wir leben, [und] der die Regel ist", kritisiert hat, also um das Bild eines neo-feudalen, obrigkeitsstaatlichen (noch dazu der alten Reichs-Idee entsprechend "über-nationalen", d. h. imperialen), ganz anders als dies die (west-)deutsche Verfassung von 1949 vorsieht also nicht "die Würde des Menschen (als) unantastbar" behandelnden, sondern von der Gewalt-Autorität eines einzigen, besonderen, mit einem Wort von Giorgio Agamben [7, S. 45] ek-statischen, zwar in der Rechtsordnung verankerbaren, aber, nach Carl Schmitt [2, S. 14], mit der Macht, die Verfassung "in toto" zu suspendieren ausgestatteten Souveräns zu entscheidenden "Zustands".

— Eine Rolle, die einer gewissen Frau Merkel wie auf den Leib geschneidert scheint, bzw. die man ihr auf den selbigen zuschneidert, bis das eine zum anderen passt. —

Im "'Ausnahmezustand', der die Regel ist" (und der viel mit der "christlichen" Regierungsdoktrin der Politischen Theologie dieses Carl Schmitt zu tun hat), entfällt als Erstes der Anspruch auf die freie Gestaltung der Würde des Menschen, wie sie jedoch in §1GG dankenswerterweise (aufgrund der Erfahrungen, die man mit dem "3. Reich"-Totalitarismus gemacht hatte, dessen Führer sich sehr wohl — im Gegensatz zu der nachträglich ausgestreuten Propaganda — als genau dieselben Christen sahen, die dann ihr Erbe antraten) im Verfassungsrang festgeschrieben ist. (Daher, bzw. weil die Würde-Thematik grob gesagt zweigeteilt ist in einen "christlichen", wesensmerkmal-definierten Zweig — der freilich dann bereits bei Katholiken und Protestanten bzw. Evangelikalen jeweils andere "Merkmale" sehen will — und in einen sittlichen Zweig des freien Gestaltungsauftrages an alle unter der deutschen Verfassung Versammelten, hat das Lager der CDU-Propaganda, die die Geheimnisse der deutschen Fahne kennt, ein so großes Interesse daran, sich die Schwarz-Rot-Gold- Thematik wie ein Markenmonopol für ihre ach-so-christliche Kommunikationsherrschaft zu sichern — und wie ernst es ihr damit ist, sieht man an der Ernstfall-artigen Unterschlagung und Zwangs-"Integration" des Konkurrenzwerkes Neue Form durch ein Notstandscommando: "Ernstfall und "Notstand" sind jeweils Synonyme für den Ausnahmezustand, das Justitium., d. h. "jene Suspendierung des Rechtssystems, die wir als Provisorium zur Aufrechterhaltung der Ordnung in Krisensituationen zu betrachten gewohnt sind", wie es von Verlagsseite in dem Buch Ausnahmezustand von G. Agamben kurz und knapp heisst.)

Eine Vexillologie, die den Blick auf das Dispositiv eines solchen "Ausnahmezustands" freigibt, entbehrt daher — ganz offensichtlich zusammen mit seinen Exekutivkräften — selbst der Würde (und ist, um mit Schiller zu sprechen, der über "Anmuth und Würde" geschrieben hat, einfach nicht schön).

So besteht der "Gestaltungsauftrag Würde" des Grundgesetzes in ganz besonderer und dringender Weise angesichts der regulären, nach dem 2. Weltkrieg bzw. dem Dritten Reich neuerlich (wie vorher schon durch die Weimarer Republik 1919-1933) in Dienst genommene, im geteilten Deutschland nach 1949 mit jeweils verschiedenen Staatswappen in der Imprese beschlagenen und mit dem Beitritt der DDR zur BRD am 3. Oktober 1990 wieder auf die westdeutsche Variante reduzierten deutschen Fahne; das bedeutet, die Fahne "Schwarz-Rot-Gold von 1848" soll im Interesse einer die Würde und das Leben des Menschen nicht durch einen einschließenden Ausschluss — wie es im Ausnahmezustand geschieht (Vgl. Agamben 7) — gewaltsam an das Recht bindenden Darstellung abgelöst bzw. nach Möglichkeit überwunden werden:

Die Vexillologie Neue Form gibt in einer Neufassung der Ausnahmezustandsproblematik, wie sie von den beiden antipodischen Staatsrechtsphilosophen Walter Benjamin (Zur Kritik der Gewalt, 1921) und Carl Schmitt (Politische Theologie, 1922) in einer durch die unterschiedlichen Standpunkte in diesen Werken eröffneten Geheimdebatte über mehrere Jahrzehnte hinweg erwogen wurde (von der deren Wiederentdecker Giorgio Agamben in seiner eigenen Untersuchung zum Ausnahmezustand — op. cit. — ausführlich berichtet), ohne Rekurs auf Vorgeordnetes den Blick auf die Idee frei, die die Idee des "wirklichen Ausnahmezustands" (in Benjamins Geschichtsphilosophischer These Nr. 8) gewesen sein wird: Das Potenzial der menschlichen Würde.

Das Potential der menschlichen Würde aber ist nach Auffassung des Schöpfers des Werkes Neue Form — aus dessen vielmehr zen-buddhistischen Œuvre dieses von einer vollkommen unwürdigen Clique gerissen wurde, um damit wissentlich zu betrügen — nicht hinreichend mit "christlichen" Maßstäben und/oder Kreativitätsfertigkeiten bzw. Wissenshorizonten darzustellen; denn die durch ihre zweitausendjährige Urkundenfälschung und Bigotterie auf das Schrecklichste depravierten "Christen" (damit sind die "an Christus", aber nicht an dessen — längst von ihren schlauen Hirten ausradierte — Lehre glaubenden Herdentiere gemeint, deren Dünkel sie selbständig oder ferngesteuert stehlen, lügen und morden lässt wie keine andere Glaubensgemeinschaft auf der Welt) sind nicht mehr in der Lage, das Wort vom "Ebenbild Gottes" so aufzufassen und in einen — ihren ganz persönlichen — fundamentalen Zweifel umzusetzen ("nur dort ist Wahrheit, wo Zweifel herrscht" bzw. herrschte), dass sie die Absolute Gegenwart, die Christus sei, jemals begriffen (und den Adam, der Raum und Zeit — genau wie sie selbst und ihre Begriffe, mit denen sie die Welt mehr schlecht als recht lenken — ist, darin der paradoxalen "Selbst"-Erkenntnis überantworten bzw. sterben lassen könnten wie ein Zen-Meister, der sein Werk vollendet und Satori erlebt), und aus solcher Beschränkung durch das ewig Alte — das eigene, kleine Selbst — heraus lässt sich einfach nichts Neues schaffen. Ausser vielleicht der überraschenden Parole "Fußball ist Zukunft".

Was die alte Fahne anbelangt, so schuf man mit ihr eine in kommunikativer Hinsicht durch jene gegenseitige Indeterminierung buchstäblich ausgenommene, "leere" Fläche ... die dabei der — zusammen mit dem biopolitischen Paradigma neuerlich in Erscheinung tretenden — Willkür des Meta-Dogmas und damit der Überdeterminierung durch die furchtbare, sich "christlich" nennenden Theokratie des Abendlands ausgeliefert ist; denn laut dieser sei "Rot die Farbe Michaels in all ihren Schattierungen", und mit diesem an höchster Stelle, dem nationalen Hoheitszeichen, postulierten wie gelehrten Rekurs ins Mittelalter läuft Deutschland immer wieder von Neuem an — und direkt ins offene Messer der die Fahne Schwarz-Rot-Gold von "1848" als ihr zentrales privatimes Gestaltungsmittel nutzenden Demagogen, die ihre Fäden gar nicht unbedingt mehr im Vatikan, sondern heute wahrscheinlich am ehesten in CIA- think tanks (wie der — vielleicht gar nicht so weit hergeholt — als Red Cell bekannten Geheim-Abteilung) spinnen bzw. an diesen hängen.

Daraus folgt: Deutschland soll ein- für allemal weiter der neu-germanisch-"christliche" Sklaven- oder Herrenstaat (was das selbe ist) des "Heiligen römischen Reichs deutscher Nation" sein (also, heute freilich im Namen der globalisierten, US-dominierten Wirtschaft, anknüpfen an das Dritte Reich, wozu dann direkt ein Zaubermittel wie die von einer Kamarilla im Auftrag dieses Lagers geraubte, zynisch mit millionenfacher Übermacht gegen den Willen ihres Schöpfers verdrehte und diesem perversen Zweck unterschlagene, neue Fahnenvorlage Neue Form nötig ist — wofür dann juristisch von den ja ohnehin in allen Machtpositionen des nach zwanzig Jahren der Durchprivatisierungen und des politischen Experiments in Anführungszeichen zu schreibenden "Staates", resp. der diesen immer mehr ersetzenden Wirtschaftsdiktatur, stehenden, an diesem Plot beteiligten oder ihn deckenden Groß-Kriminellen ein Anwendungsfall für die subjektive Notstandstheorie gezimmert wird), und insbesondere die Unionsparteien mit ihren "C" im Namen sehen sich nach der Wiedervereinigung und der systematischen Ausschaltung und Re-Annexion jenes eine zeitlang (auch) von Sozialismus und Kommunismus beanspruchten Rot in einer regelrechten reconquista wieder als die legitimen, alleinigen Statthalter dieses heute über alle möglichen demagogischen Instrumentarien (vor allem die König-Fußball- Inszenierungen und den mit dem "Geist der Paulskirche" verbrämten, wiederkommenden StaSi-Staatssport) subtil-autoritär in die Gehirne der deutschen Bevölkerung gewaschenen, archaischen Wahnsinns.

Wie ernst dieses Projekt genommen wird, lässt sich an der sofortigen, mit allen nur denkbaren bandenkriminellen Mitteln durchgeführten Unterschlagung und dem konsequenten Zerstörungs- wie gleichzeitigen Massenbetrugsversuch durch massivsten Missbrauch des jenen archaischen souveränen Bann über den mit Schwarz-Rot-Gold von "1848" dargestellten Ausnahmezustand wie ein Rätsel auflösenden, und das soziale Feld darüber hinaus für das presencing (Scharmer) unserer wahren höchsten gemeinsamen Zukunftsmöglichkeit öffnenden Werkes Neue Form ersehen:

Die kreative Konkurrenz, das neben dem Bankrott des Alten herangewachsene Neue muss durch gewaltsame Besetzung, kriminelle Annexion sowie erzwungene inhaltliche Falschdeklaration zensiert und sein wahres schöpferisches Ferment durch zynischen Missbrauch verbrannt wie vernichtet, das zwangsautoritäre Deutungs- bzw. Missdeutungsmonopol um jeden Preis aufrechterhalten, der Geist der Menschen weiter in Abhängigkeit von zweckdienlich gefilterten bzw. falschen Informationen gehalten und versklavt werden: Fußball ist Zukunft!

In Wirklichkeit wird hier über die CDU- Propaganda- Institution DFB ein psychologischer Krieg als Kampf gegen — selbstfabriziertes — "Böses" (George W. Bush vor dem US- Kongress am 20.9.2001, bzw. Theo Zwanziger bei einer denkwürdigen, genauso aus der Luft gegriffenen Predigt im Experimental- Stadion zu Hannover am 15.11.2009) gegen die eigene Bevölkerung geführt; sie scheint es nicht bemerken zu wollen.

War es tatsächlich nicht schon immer so!

1000 Jahre Theokratie als deutsche Staatsidee

1000 Jahre geistiger Betrug

Deutschland hat, sozusagen von jeher, ein spezifisches und grundlegendes Problem — Deutschland ist dieses Problem: Es ist das Land, das seinen Gründungsmythos, seine gelegentliche imperiale Größe auch, immer von Rom bezog ... wobei der Anspruch Roms, des Vatikan und seines Katholizismus, des Papsttums und des von ihm symbolisch repräsentierten, militärischen Bevormundungssystems ein autoritär- politischer (gerne von anderen Konfessionen nachgemachter), und keineswegs ein geistig- einsichtiger ist.

Dort geht es darum, dem um jeden Preis durchzusetzenden, dem immer von der einmal getroffenen Ansage "katholisch" (d. h. "allgemein") und von der angeblich exklusiven (mit einem einfachen Kreuzchen symbolisierten, freilich nur inklusive Unfehlbarkeitsanspruch postulierbaren) Mittlerposition zur göttlichen Souveränität gekennzeichneten Anspruch gerecht zu werden ... um das weltweit Schule machende "Streben nach dem 'militärischen Reich Gottes auf Erden'" (Hugo Ball, s. u.). 

Das Geistige wird von der Maschine der katholischen Seelenbeamten — darin eben gerade möglichst, in einer Art tödlichem Wettlauf, von ihrer von Luther in den 1520er Jahren aufgebrachten protestantisch- sportsfeindlichen Kollegenschaft noch übertroffen — mitsamt der Spiritualität des Individuums (so dies nicht am Ende gar dasselbe sein sollte) zu politischen, imperialen Zwecken "zurecht" gestutzt, dogmatisch stranguliert, politisch drangsaliert und instrumentalisiert, militärisch kaserniert und doktrinär kanalisiert.

Wer herrschen will in diesem Land, wird schlecht an diesen "christlichen" Monopolen der einen oder anderen Couleur, insbesondere dem (west-) römischen Katholizismus, vorbeikommen. Sie liefern traditionell die Definitionen, wie und was die Welt sowie ihr Recht ist bzw. zu sein hat, und damit das Rohmaterial für die jeweilige souveräne Entscheidung ... des ihnen verpflichteten Souveräns. — Aber was, wenn dieser Souverän das abtrünnige, undankbare und nicht in die Feinheiten und Fundamentalismen des geltenden Rechts eingeweihte Volk sein soll, und der islamistische Fundamentalismus angreift?

Dann wird dieser Clou wieder einmal Hochkonjunktur unter den ohnehin anderweitig unbeleckten, auch heute noch schön effizient von der Heiligen Inquisition (deren Chef während der letzten 30 Jahre der heutige Papst aus Deutschland war) von jedem lebendigen Geist ferngehaltenen Staatsdienern bekommen.

So besteht eigentlich von jeher ein scharfer, ziemlich einseitiger Gegensatz zwischen der autoritären deutschen Staatsidee und der freiheitsliebenden deutschen Intelligenz, dem "deutschen Gedanken" (der möglicherweise — jedoch nach wie vor ausgeschlossen von seiner sozialen Integration — auch heute eine bessere Antwort auf diese Frage hätte, als sie der katholische, "christliche", d. h. depraviert-christliche, Fundamentalismus zu geben vermag).

In seinen höchsten Formen, etwa bei Meister Eckhart, bat dieser Gedanke schon einmal darum, "frei zu werden von Gott". Doch derlei Erkenntnis ist selten, und ein halbes Jahrtausend der Inquisition kümmerte sich (und kümmert sich noch heute) darum, sie auszumerzen, was unweigerlich zu einer hoch spekulativen, absolut nicht von praktischer spiritueller Erfahrung geprägten und von daher vollkommen desorientierten, stets über das Knie gebrochenen, autokratisch- diktatorisch implementierten Tyrannei führt(e), die wiederum schon immer die sattsam bekannten weltlichen Diktaturen des Abendlandes auf Schritt und Stiefeltritt nicht nur begleitete, sondern nachgerade "inspirierte" (wenn denn überhaupt noch ein Fünkchen spirit in dem Laden vorhanden oder vorhanden gewesen sein sollte, und nicht bloß stets die vollständige Ersetzung der ursprünglichen, übrigens auch von jeher abenteuerlichen Schöpfungs-Idee durch die eine oder andere entsprechende, zum Schluss, heute nämlich, folgerichtig in der Emittierung von Falschgeld gipfelnden Geldschöpfungs-Idee).

Der heutige, deutsche Papst Josef Ratzinger/ Benedikt XVI. stand also die letzten 30 Jahre vor seiner Unfehlbarwerdung anno 2005 (BILD: "WIR SIND PAPST!") der Kongregation zur Bewahrung des rechten Glaubens (und der Kaufkraft solchen Geldes wie den faulen Papieren der vatikanischen Banco Ambrosiano?) vor, wie sich die Heilige Inquisition heute nennt; das sollte bei dem, was derzeit namentlich mit Deutschland geschieht, und auf das im Folgenden, wo es um das erneuerte Bild der Schlüsselentscheidungsgewalt in diesem Staat schlechthin geht — sowie dessen verfassungsfeindlichen Raub per neokonservativer Intrige, weil es der Bevölkerung zur Erlangung/ Erneuerung der Emanzipation der Zivilgesellschaft in diesen postdemokratischen Zeiten zurückgegeben werden sollte —, im Detail zu sprechen zu kommen sein wird, im Auge behalten werden.

Der Beginn der jüngeren Geschichte wird aus deutscher Sicht — wie zu zeigen sein wird, ganz zurecht, dies jedoch aus anderen Gründen als von der deutschen, nunmehr schon bekannt "geschichtspolitisch" arbeitenden Propaganda angegeben — auf das Jahr 1848 datiert, als nach einem halben Jahrhundert der von der französischen Revolution in den 1790er Jahren ausgelösten Wirren die Paulskirchenversammlung in Frankfurt stattgefunden hatte.

Der sogenannte Vormärz war — mehr oder weniger depraviert — in den "deutschen März" gemündet, und die erste "Nationalversammlung" inaugurierte ihre Fahne: Schwarz_Rot_Gold.

Es handelt sich, richtig und jetzt gelesen, bei diesem — partout nicht den Regeln der Heraldik gemäß, sondern in einer Art romantischer, beliebig-mutwilliger, symptomatisch autoritär- katholisch- monarchistischer Volte entstandenen — Fahnenbild um das zu einem solchen erstarrte Bild schlechthin des "'Ausnahmezustands', der zur Regel geworden ist": Wer, etwa per Propaganda, diese Fahne für sein Lager okkupiert, postuliert und reklamiert die souveräne Entscheidungsgewalt ausserhalb jedweden demokratischen Prozesses exklusiv für sich.

Nicht nur, aber insbesondere in Krisenzeiten (wie sich schon einige Male, 1849, 1933, 1989, gezeigt hat) eine äusserst kritische, brandgefährliche Angelegenheit, die, mit dem bislang und aller Wahrscheinlichkeit nach nur vorübergehend Ausnahme gebliebenen Datum von 1989, sich dann noch immer rasch irgendwie verselbständigend in das durchaus in ihr dispositiv angelegte Umkippen der Biopolitik in regelrechte Thanatopolitik und das militärisch inszenierte Aufkommen einer neuen Fahne entwickelt hat.

Wie nun insbesondere und in einer bislang noch nicht dagewesenen Profundität die Untersuchungen und Forschungsergebnisse Giorgio Agambens zum Ausnahmezustand, einer von Alters her in verschiedenen Formen bekannten Art des militärischen oder auch politischen ("fiktiven") Gewaltherrschens, zeigen konnten, besteht die originäre politisch- juridische Beziehung zwischen dem modernen Staat und seinen Bürgern ohnehin durch nichts anderes als den — selbst nämlich auf nichts anderes als die Figur der Ausnahme (im Spiel von Ausnahme und Regel) zurückgehenden — souveränen Bann, und keineswegs, wie es der Mythos haben will, in der Figur eines Vertrages (Agamben nennt dies das Hobbessche Mythologem). Die Situation des "ausgenommenen", und somit der Unterdrückung preisgegebenen Menschen entspricht daher der Situation des — von Agamben unter dieser Bezeichnung in die Debatte zurückgeholten) — Homo sacer, einer merkwürdigen Figur des alten römischen Rechts, die dadurch gekennzeichnet ist, dass sie ein Leben verkörpert, "das zwar getötet werden kann, aber nicht geopfert werden darf"; es scheint sich hierbei um eine Anspielung auf die Entscheidung bzw. Unterscheidung zu handeln, die schon in der alten griechischen Philosophie der Politik anzutreffen ist, zwischen einem Leben, das der jeweiligen politischen Gemeinschaft entweder dadurch angehört, dass es gerade selbst diese Entscheidung traf, sich zu "politisieren" (und darüber Aufnahme fand in diese gegen etwas anderes, nämlich gegen den "schönen Tag des Lebens", die euhemeria, wie es bei Aristoteles heisst, abgegrenzte Gemeinschaft), oder ihr eben nicht angehört und "bloßes Leben", Homo sacer ist.

Die Patsche, in der der lebendige Mensch dabei in seinem heutigen Staat sitzt, besteht genau darin, dass es jener "schöne Tag" ist, der zur Aufnahme in die Gemeinschaft zu politisieren ist — dessen Rechte dabei jedoch aufgegeben werden müssen. In dieser selbst-entmündigenden, selbstentmündigten Sackgasse des Mündigseinwollens steckt der Mensch mit seiner staatlichen Politik und deren Autoritätsfrage (die ihm im Falle einer Wirtschaftsdiktatur gerade das politische Bürgerrecht des "schönen Tages", das er sich mehr oder weniger errungen hatte, wieder streitig machen, durchkommerzialisieren und dadurch wegnehmen wird) noch heute — irreversibel, so wie es aussieht. Die Entscheidung liegt nicht bei ihm, sondern bei einer Gewalt, die er nicht unbedingt direkt kreiert, sondern die aus seiner Kreation — zwangsläufig, und mit dem Eigen- Anspruch, diese, die sie in Wirklichkeit angreift, selbst zu schützen — ensteht: Bei einem Mafia-Staat, wenn niemand aufpasst.

Aus diesem Grund konnte der (deutsche) Staatsrechtler Carl Schmitt zu seinem berühmten Statement kommen: "Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet."

Wenn die Annahme richtig ist, dass das staatliche deutsche Hoheitszeichen von 1848, Schwarz_Rot_Gold, nicht nur einem, sondern gar einem gattungstypischen Bild des Ausnahmezustandes gleichkommt (das durch das Ineinanderfallen von Regel/Norm, symbolisiert durch das kaiserliche Schwarz/Gelb, sowie der Ausnahme, symbolisiert durch das ekklesiastische Rot, und durch die weitere, genaue Entsprechung der für das abendländische Rechtssystem symptomatischen Anlage, d. h. der für dieses typischen Konstellation von potestas/schwarzgelb und auctoritas/rot entstünde, wie es hier eben auch der Fall ist), so handelt es sich dabei einerseits um "das deutsche Dispositiv" (was schon einmal das beständige Zurückkommen auf diese Fahne nach intermittierendem Gebrauch von anderen Farben und Symbolen hinlänglich erklärte), während gleichzeitig alles darauf ankommt, die Deutungs- oder Missdeutungshoheit darüber zu erlangen (da aus ihr jeweils die wie auch immer gelagerte Entscheidung hinsichtlich der politischen Weges- Gestaltung, die Entscheidung über den Ausnahmezustand, sowie gleichzeitig deren — zumeist nachträglich gelieferte, das bedeutet also im Zusammenhang mit jener Gleichzeitigkeit, nachträglich kaum mehr von irgendjemandem rechtlich be- oder verurteilbare — Legitimation zu ziehen ist.

So liest sich das Diktum Schmidts ganz einfach wie folgt: Souverän ist, wer die Gewalt inne hat — und so sagt oder sagte das heute weitgehend von der realen, von den mit ihr identischen Kommunikationsherrschern per geraubter Kunst bemäntelten Gewalt suspendierte Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, "Alle Gewalt geht vom Volke aus".

Und es ist das Bezeichnendste an dieser Situation, dass die Juristen dabei schweigen.

Dass es eine Bande von Privat-Juristen ist, die in Gestalt eines intriganten Raubüberfalls auf die neue, von ihr zu der von ihr ausgehenden sowie getragenen, unglaubwürdigen Demagogie und deren Bemäntelung verdrehten Fahnenvorlage Neue Form derlei Zusammenfallen von politischer Kriminalität und Wirtschaftskriminalität — aufgepeppt mit Amtsanmaßung und stets weiter ausgebauter Massentäuschung — exekutiert.

Der ganze Schwindel funktioniert mit nur einem einzigen Wort, weltweit: es lautet "Gott". Damit, weil in jedem denkenden Menschen nicht nur eine Tendenz zu Verfeinerung und Ganzheit ist, sondern weil das Denken selbst ein "Stoß in Richtung Verfeinerung und Ganzheit" ist, lässt — bzw. ließ — sich durch das Postulat "Gott" und durch den Claim auf seine selbstverständlich von den Postulierern selbst eingenommenen Stellvertreterschaft ... Staat machen. Letztlich der unipolare und tyrannische Pseudostaat, als den sich der heutige Weltmarkt begreift, und der es wohl auch ist.

Frömmelnde Heuchelei ist es, was die Welt beherrscht. Damit erst zockt man den Zaster ab, der einem Macht über andere verleiht. Was ein gewisser Hugo Ball, ein tatsächlich tiefreligiöser, vielleicht sogar die "Religion" bereits wieder hinter sich lassen könnender (denn die Religion ist nicht das non plus ultra an sich, sondern ein Durchgangsstadium in der Reifung des Menschen), sich zum Christentum bekennender Mensch (und da wird man eventuell jetzt ein bisschen nachdenken müssen, bis man auf die demagogische Verdrehung stößt, die aus dem "Glauben von Christus" einen "Glauben an Christus" gemacht hat), 1919 in seiner Verzweiflung auf der Schutthalde des Ersten Weltkrieges hockend diagnostizierte, geriet in den darauf folgenden 90 Jahren zur Weltherrschaft einer einzigen Tyrannei — so wahr ist es:

"Nochmals betonen möchte ich, dass es die Verbindung von Religion und Staat, die göttliche Sanktionierung der Autokratie ["So wahr mir Gott helfe" — es dauert schließlich immer ein Weilchen, bis man merkt, dass es ein Irrtum war. PH], die Verwirklichung Gottes und der Idee, die Ideenverwaltung durch eine wilde Staatsautorität und das Streben nach dem militärischen "Reich Gottes auf Erden" war, was ich antichristlich, Blasphemie und Satansdienst nannte. Der Protestantismus ist eine Irrlehre, eine Irrlehre der Katholizismus, der sich auf der Erde etabliert. Gott und die Freiheit können nicht verwirklicht werden, sie sind Ideale, Staat ist ein Zustand und Zufall, von der göttlichen Idee zu durchdringen und in sie aufzulösen, nicht umgekehrt."